Laterne stehen, Adventskalenderfenster und Gruseln light – Lüneburg im November 2020

Ich steh‘ mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir….

Finde den Fehler! In diesem Jahr ist alles anders. Nun fallen auch die Laternenumzüge dem Virus zum Opfer. Von dem alljährlichen von-Tür-zu-Tür-gehen am Halloweentag wird ebenfalls abgeraten. Und aus dem begehbaren Adventskalender sind adventlich gestaltete Fenster geworden, die beim abendlichen Spaziergang betrachtet werden können. Ich hatte gerade diese Woche begonnen, einen Blogbeitrag zum Thema Theater zu schreiben. Die ersten vier Vorstellungen, die ich in diesem Halbjahr sehen durfte, haben mich begeistert, und ich wollte Euch mitreißen und ermuntern, ins Theater zu gehen! Dann kam die Ankündigung des Lockdown. Und jetzt weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr weiter. Ihr seid von mir gewohnt, dass ich hier positive Stimmung verbreite. Aber mir gehen die Themen aus. Persönlich habe ich keinen Grund zu jammern, ich habe keine Existenzängste. Darf ich trotzdem frustriert sein? Corona nervt!

Halloween light

Was also tun? Vor uns liegt der November, der ja sowieso schon nicht als großer Stimmungsmacher bekannt ist. Morgen ist Halloween. In der WhatsApp-Gruppe unseres Wohnviertels wurde der Beitrag aus der Landeszeitung geteilt, in dem aufgerufen wurde, auf Halloween-Touren zu verzichten. Daraufhin entbrannte – wie ja so gerne in solchen Gruppen – eine heftige Diskussion, die dann zum Glück durch die Moderatorin gestoppt wurde. Ich hatte bereits vorsorglich eingekauft und bin nun wild entschlossen, die Süßigkeiten unter das Volk von kleinen Geistern und sonstigen gruselig verkleideten Kindern zu werfen. Ich habe kleine Papiertüten gepackt, wir werden einen Campingtisch vor die Haustüre stellen, um den notwendigen Abstand zu gewährleisten, und dann mögen die Kinder bitte kommen! Was übrig bleibt, spende ich gerne für einen guten Zweck.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin keine Corona-Leugnerin. Das Virus ist da und die Lage ist zweifelsohne ernst. Dennoch bin ich der Meinung, dass die neuen Maßnahmen die Falschen treffen. Gastronomen und kulturelle Einrichtungen haben weder Kosten noch Mühen gescheut, aufwändige Hygienekonzepte umzusetzen. Abstände sind gewährleistet, Daten werden erfasst. Die Theater- und Kinosäle sind nicht mal zu einem Drittel gefüllt. Im Theater Lüneburg beispielsweise bleibt jede zweite Reihe leer, außerdem zwei Plätze zum Nachbarn, dazu ein ausgeklügeltes Einlasskonzept. Meiner Meinung ist das Ansteckungsrisiko hier minimal. Aber ich bin keine Virologin. Wenn nun Gastronomie und kulturelle Einrichtungen schließen, steigt da nicht die Gefahr, dass sich die Leute privat wieder in größeren Gruppen treffen? Wo hat es in letzter Zeit die meisten Fälle gegeben? Bei privaten Feiern und in Lokalen, in denen Abstandsregeln nicht eingehalten wurden und falsche Personalien angegeben wurden. Nun bin ich von Natur (oder Erziehung?) aus eine Person, die sich an Regeln hält. Ich gehe, wenn es hochkommt, nachts um 2 Uhr mal bei Rot über die Ampel, nicht ohne mich zu vergewissern, dass auch ganz bestimmt kein Kind in der Nähe ist. Ich werde mich also brav an alles halten – nun gut, was Gastronomie und Kultur angeht, bleibt mir ja auch nicht viel anderes übrig.

Foto: Foto: t&w / Andreas Tamme
In der vergangenen Woche durften wir im Theater Lünburg noch „Die Drei von der Tankstelle“ genießen.

Wie Ihr wisst, bin ich ein großer Fan von Laternenumzügen, wie ich Euch ja bereits vor drei Jahren an dieser Stelle gestanden habe. Das gleiche gilt für Weihnachtsmärkte. Ich weiß, es ist unvernünftig, aber darf ich mir wünschen, dass zumindest etwas Ähnliches – selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Regeln – in Lüneburg stattfinden wird? Vorsorglich habe ich schon mal etwas Glühwein für zuhause gekauft. Selbstverständlich werden wir nur Personen aus einem anderen Haushalt hereinlassen.

Toastmasters Lüneburg – coming soon! – but when?

Seit Mai bin ich dabei, mit einigen anderen engagierten Toastmastern aus Hamburg einen Toastmasters-Club in Lüneburg zu gründen. Der Start war ursprünglich für September geplant, dann für Oktober. Wie Ihr Euch denken könnt, ist das Ganze bisher an der Raumfrage gescheitert. Denn einen Raum, der unter Einhaltung der Abstandsregeln etwa 25 bis 30 Personen erlaubt, können wir uns nicht leisten. Nun haben wir wahrscheinlich doch eine bezahlbare Location gefunden und denken über einen Start im Januar nach, aber auch das scheint mir ungewiss. Unsere Team-Meetings halten wir über Zoom ab, ebenso wie die Toastmasters-Abende in den anderen Clubs. Zwischenzeitlich gab es einige wenige Hybrid-Meetings, also mit einigen Leuten im Raum und anderen über Zoom hinzugeschaltet, aber das ist nun auch wieder vorbei. Die Online-Treffen haben durchaus Vorteile: sie ersparen mir die Anreise nach Hamburg. Dennoch ist die Atmosphäre nicht dieselbe. Ich kann verstehen, dass viele Menschen der Online-Meetings müde sind, zumal wenn sie das schon den ganzen Tag für ihren Job machen. Um einen neuen Club aufzuziehen, ist online definitiv nicht die richtige Methode. Ich habe ein tolles Team und bin weiterhin zuversichtlich, dass wir einen Toastmasters-Club in Lüneburg gründen werden. Nur wann, das steht in den Sternen. Darf ich ein wenig frustriert sein?

Es gibt Hoffnungsschimmer, dennoch. Das mit dem „Laterne stehen“ zu Beginn war kein Scherz. Auch hierüber berichtete die LZ in der vergangenen Woche: Der TSV Bardowick veranstaltete ein Laternenfest auf dem Sportplatz anstelle des geplanten Umzugs, selbstverständlich vom Ordnungsamt genehmigt und mit einem strengen Hygienekonzept. Auch der begehbare Adventskalender findet statt, nur in anderer Form: Da Treffen vor den Türen nicht möglich sind, wird nun jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit ein Adventskalenderfenster enthüllt werden, das adventlich geschmückt und mit einer Kerze beleuchtet ist. Das kann auch ein Vorgarten oder ein Balkon sein. Die Nachfrage war groß: schon jetzt sind alle Fenster vergeben. Gibt es noch mehr solcher Beispiele? Erzählt mir davon!

Engagierte und optimistische Lüneburger – Es gibt sie noch!

Und dann gibt es da diese großartigen und engagierten Menschen in unserer Stadt, die nicht lange jammern, sondern handeln. Wie beispielsweise Maren Brandt von Make Monday Sunday, die sich spontan für eine Spendenaktion zugunsten der Corona-Künstlerhilfe entschied. Oder Meike Bergmann von Edeka Bergmann, die Gastronomen unterstützt. Ich bin überzeugt, es gibt noch mehr Beispiele. Aber es gibt eben auch die, denen mittlerweile die Kraft fehlt. Die vielleicht vor einem halben Jahr noch Durchhalteparolen geschwungen haben und jetzt einfach am Ende sind. Dafür habe ich größtes Verständnis.

Foto: © Lüneburg Marketing GmbH
Wie wird Weihnachen 2020 in Lüneburg aussehen?

Bei all dem Nachdenken über dieses Thema ist mir eines klar geworden: Ich habe großes Glück! Wie gesagt, ich habe keine akuten Existenzängste. Und ich bin gesund. Vor allem aber muss ich nicht alleine durch diesen trüben Monat November gehen, denn ich habe Mann und Hund an meiner Seite! Das ist nicht selbstverständlich, und dafür bin ich unendlich dankbar.  

In diesem Sinne: kommt gut durch den November! Ich hoffe, ich kann Euch bald hier wieder frische Themen und gute Nachrichten bringen.

Titelbild: © pixplosion / pixelio.de

2 Kommentare zu „Laterne stehen, Adventskalenderfenster und Gruseln light – Lüneburg im November 2020

  1. Liebe Ruth, ein schöner Artikel. Und mit deiner Kritik an den neuen Maßnahmen, die wieder Kinos, Theater und Restaurants treffen, stimme ich voll überein. Es ist nur extrem nervig, dass die schmierigen Populisten von AFD und FDP genau das jetzt auch rausposaunen.

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