Lüneburg in allen Farben und Formen – die Kunstszene der Salzstadt

Man könnte es getrost als Gesamtkunstwerk betrachten: Lüneburg mit seiner malerischen Altstadt, den engen Gassen und schiefen Fachwerkhäusern den drei stattlichen Kirchen und dem historischen Wasserturm. Tatsächlich bietet die Salz- und Hansestadt unzählige Motive für Kunstwerke. Kein Wunder also, dass in Lüneburg eine Vielzahl von Künstlern zuhause ist. Nicht alle von ihnen malen Lüneburg-Motive, aber viele. Andere fühlen sich vielleicht schlicht von der Schönheit der Stadt und ihrem Charme inspiriert und haben sich daher entschieden, hier heimisch zu werden – was ich gut verstehen kann. Denn auch ich bin hier jetzt schon seit fünf Jahren zuhause und möchte nicht mehr weg.

Am 3. Juli findet in der Lüneburger Innenstadt der sogenannte Erlebnis-Sonntag statt. Früher nannte man das „verkaufsoffener Sonntag“, was es ja auch in erster Linie ist. Ehrlich gesagt war ich nie ein Fan davon. Doch dieses Mal steht der Tag unter dem Motto „Tag der Kunst“. Das hat mich inspiriert, die Lüneburger Kunstszene mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Genauer gesagt brannte mir dieses Thema schon länger unter den Nägeln. Es brauchte nur noch einen kleinen Anstoß.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Was ist Kunst? – Wer bin ich, dass ich diese Frage beantworten könnte! Mir fällt spontan das großartige Theaterstück KUNST von Yasmina Reza denken. In der Geschichte wird die langjährige Freundschaft dreier Männer auf die Probe gestellt, weil einer von ihnen sich für viel Geld ein weißes Bild gekauft hat. Ist das Kunst oder kann das weg? „Kunst kommt von Können“, auch so ein alter Spruch. Mir persönlich muss ein Kunstwerk einfach gefallen, es muss etwas in mir auslösen, etwas mit mir machen. Ob es gegenständlich ist oder nicht, ob ich mit dem Titel etwas anfangen kann oder nicht, ob ich auch nur im Entferntesten nachvollziehen kann, was der Künstler damit ausdrücken wollte, ob jemand sagt: „Das könnte ich (mein Kind/mein Hund/meine Katze) auch“ – egal. Erlaubt ist, was gefällt.

„Kunst“ in einer Aufführung des Thomas Ney.Theaters in der KulturBäckerei 2017.

Auch Schreiben ist eine Kunst – und unterliegt somit der künstlerischen Freiheit. Hier auf meinem Blog kann ich schreiben was ich will (selbstverständlich solange es nicht die Freiheit der anderen einschränkt), und das tue ich hiermit. Ich möchte Euch einige Künstler vorstellen – und damit meine ich jetzt in erster Linie diejenigen, malen, zeichnen, fotografieren, grafisch oder kunsthandwerklich gestalten, also das, was man gemeinhin unter den „bildenden Künsten“ versteht. Meine Aufzählung hat keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind Künstler, die mir – persönlich oder lediglich in ihren Werken – begegnet sind. Um jegliche Wertung herauszunehmen, werde ich sie alphabetisch auflisten.

Action-Painting zum Feierabend

Mit seinen teils schrillen Outfits und den bunten Brillen ist er für mich so etwas wie der Elton John von Lüneburg: Jan Balyon, geboren 1949 in Den Haag (Niederlande), seit 2002 in Lüneburg zuhause. Freischaffender Maler, Musiker, Lyriker und Performer. Seine bunten Motive, manche mit Lüneburg-Bezug, zieren nicht nur Leinwänden sondern auch Gebrauchskeramik. Aber schaut am besten selbst auf seiner Website. Bei den Feierabend-Kultur-Events von Ben Boles ist er als Action-Painter immer gerne dabei und zaubert kleine oder größere Kunstwerke in Windeseile auf das Material Deiner Wahl. Am 3. Juli geht es mit der Matinee übrigens wieder los bei der Feierabend-Kultur. Ab 12. Juli dann wieder regelmäßig Dienstags alle zwei Wochen.

Der Name Swantje Crone ist mir immer mal wieder untergekommen, seit ich in Lüneburg wohne. Doch trotz Website und Facebook-Seite konnte ich nicht wirklich viel über sie als Person herausbekommen. Sie malt Bilder und gestaltet Objekte. Etwas ganz Besonderes sind ihre Mosaikarbeiten, die mittlerweile einige öffentliche Gebäude in und um Lüneburg schmücken. Passenderweise finden sich einige davon auch im Mosaique – Haus der Kulturen. Gerne arbeitet sie auch mit Kindern und Jugendlichen zusammen, beispielsweise in Schulprojekte.

Ob es ihm gefallen würde, wenn ich ihn als Grandseigneur der Lüneburger Kunstszene bezeichnen würde? Ich habe Euch Karl-Ernst Gaertner bereits in einem meiner allerersten Blogbeiträge vorgestellt. Denn Herr Gaertner ist mein Nachbar – ein außerordentlich liebenswerter und interessanter Mensch und bemerkenswerter Künstler. Der gelernte Schriftsetzer und Luftbildfotograf legt heute den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Grafik: Papierschnitte, Druckgrafiken, Durchsichtbilder und Handzeichnungen.

Karl-Ernst Gaertner: Triptychon „Entzückt sein“, eine Homage an den japanischen Künstler Hokusai.

Die Malerin Karin Greife gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten Künstlern der Salzstadt. Wie so viele Künstler hat auch sie ihr Atelier in der KulturBäckerei. Ich schäme mich fast ein bisschen, dass ich es immer noch nicht geschafft habe, persönlich reinzuschauen. Dabei mag ich ihre farbenfrohen, teils großflächigen Bilder wirklich sehr. Zahlreiche Lüneburg-Motive sind dabei, obwohl das ursprünglich überhaupt nicht der Plan war. „Lüneburg wollte sie nie malen“ lautete der Titel eines Beitrags meines Kollegen Hans-Martin Koch in der Landeszeitung 2015. Mittlerweile zieren ihre Lüneburg-Motive Post- und Weihnachtskarten, Wand- und Tischkalender. Zur Zeit stellt sie ihre Bilder im Roy Robson-Store Am Markt aus. Und vom 23.7. bis 28.8. ist sie gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstlern Teil des Projektes „Cross your mindmap – Gemeinsam gegen den Strich“ in der KulturBäckerei. Die Vernissage findet am 23.7. um 18.30 Uhr statt.

Kunst und Wein in der Provinzperle

Birgit Horn und ihre Werke lernte ich bei einer Veranstaltung in der Provinzperle kennen. Ihre Ölgemälde sind meist großflächig, gegenständlich und farbenfroh, manchmal mit surrealistischen Elementen. Frauen, die sich selbstbewusst, manchmal auch lasziv präsentieren, sind häufig abgebildet. Aber auch in exotische Landschaften entführen uns ihre Bilder. Darüber hinaus betreibt sie unter dem Label „MoebelArt B. Horn“ Upcycling und fertigt nachhaltige Objekte aus alten Materialien zu kunstvollen Unikaten.

In Zeiten des Lockdowns hatten es auch die bildenden Künstler nicht leicht: Ausstellungen und Veranstaltungen waren quasi unmöglich. Doch im Winter 2020/21 hatte die studentische Initiative KulturRausch eine Idee und rief den Kulturspaziergang ins Leben. Hierbei wurden Kunstwerke in den Schaufenstern von geschlossenen Läden, Restaurants, Hotels und anderen Einrichtungen ausgestellt. Darüber habe ich in meinem Blogbeitrag ausführlich berichtet. Besonders gefielen mir dabei die Werke von Gudrun Jakubeit, die ihr Atelier ebenfalls in der KulturBäckerei hat. Auch sie wird bei „Cross your mindmap“ dabei sein. Kräftige Farben und Lüneburg-Motive findet man auch bei ihr – und auch wenn ich das jetzt über mehrere Künstler geschrieben habe, so hat doch jeder und jede seinen/ihren eigenen Stil. Bei der studierten Architektin Gudrun Jakubeit findet sich das Thema Architektur in zahlreichen Werken wieder, ebenso wie Motive von ihrem Studienaufenthalt in Portugal. Ihre Lüneburg-Motive sind größtenteils in warmen, fast herbstlichen Farben gehalten.

Er trägt gerne Frauenkleider und High Heels. Doch Dragqueen Isabelle Ankauf von Gold, Adjutant* des amtierenden 17. Schwulen Lüneburger Heidekönigs Ben I., ist nicht nur selbst ein Gesamtkunstwerk sondern unter seinem bürgerlichen Namen Eike Kuhse als Maler und Druckkünstler tätig. Hier findet ihr eine Auswahl seiner Werke. Erst kürzlich erhielt er das Uwe-Lüders-Stipendium. (Vielleicht möchtest Du in diesem Zusammenhang meinen Blogbeitrag zur queeren Szene in Lüneburg noch einmal nachlesen.) Seine Ausstellung im Heinrich-Heine-Haus ist leider gerade zu Ende gegangen.

Tote Rockstars leben länger

Bei ihm findet man vermutlich keine Lüneburg-Motive: Rockmusik und Motorräder sind die Leidenschaft von Ole Ohlendorff. Und die findet man in seinen Werken zuhauf. Die Galerie an großflächigen Porträts toter und lebender Rocklegenden ist beeindruckend: Von John Lennon bis David Bowie, von Rio Reiser bis Udo Lindenberg. Überraschung: Auch Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven waren Rockstars! Jedes Porträt wird durch ein Element ergänzt, das den jeweiligen Musiker charakterisiert. So findet sich beispielsweise auf dem Bild von Pink Floyd Keyboarder Richard Wright das bekannte Prisma des Albums „The Dark Side of the Moon“. Und das lilafarbene Outfit von Prince erinnert an seinen legendären Song „Purple Rain“. Im vergangenen Jahr bezog Ole Ohlendorff sein Atelier in der KulturBäckerei. Auch er ist Teil der Ausstellung „Cross your mindmap“.

Dosenfutter und Geisterbande

Ist das eigentlich auch Kunst? Ich finde, ja! StreetArt prägt das Lüneburger Stadtbild – egal, ob es sich dabei um legale Auftragswerke handelt, wie beispielsweise die der Graffiti-Künstler Dosenfutter, oder die berühmten Geister, deren Herkunft immer noch unbekannt ist. Zahlreiche Instagram-Accounts feiern die kleinen Biester: Geisterbande, Geisterliebe und Ghostfacer. Und jeder behauptet natürlich, nicht der Künstler zu sein, denn streng genommen ist das ja Sachbeschädigung…..

Zurück zu den „offiziellen“ Lüneburger Künstlern. Zwei habe ich noch auf meiner Liste. Die Werke des in Wales geborenen Barrie Short erinnern ein wenig an Comics. Stadtszenen aus Lüneburg und Hamburg gehören zu den häufigsten Motiven. Doch nicht nur das idyllische „Rote-Rosen-Lüneburg“ wird hier gezeigt. Der Künstler greift auch ernste gesellschaftliche Themen wie Migration und Depression in seinen Bildern auf. In seinem neuesten Projekt porträtiert er welkende Blumen.

Auch meine Namensvetterin Ruth Weber, bekannt als Ruth im Maltrickhaus, mag es bunt. Kein Wunder, denn sie ist Animatorin für Trickfilme. Eine Auswahl ihrer Illustrationen und designten Produkte wie Tassen, Postkarten, Kalender, Magnete und Türschilder findest Du nicht nur in ihrem Online-Shop sondern auch in der Lüneburger Bonbon-Manufaktur. Neben Lüneburg zählen auch Tiere zu ihren Lieblingsmotiven. Die Tiermotive machen sich besonders gut auf Textilien wie T-Shirts, Schürzen und Lätzchen. Mein persönlicher Favorit: Die Fledermaus im Mond!

Das gesamte Programm zum Tag der Kunst am 3. Juli findest Du hier. Etwa 40 Künstlerinnen und Künstler sowie Vereine präsentieren ihr Schaffen auf dem Marktplatz, in der Grapengießerstraße und Am Stintmarkt. Geboten werden unter anderem Ausstellungen, bunte Malaktionen, besondere Rundgänge und ein Töpfermarkt im Clamartpark (2. und 3. Juli) sowie eine Kunstausstellung im Foyer der Salztherme Lüneburg (bereits seit 3. Juni) mit 27 Künstlerinnen und Künstlern aus der Region. Auf dem Marktplatz malt Jan Balyon Friedenstauben für Kinder. Die Galerie im Obergeschoss des Cafés im Glockenhof zeigt zeitgenössische Kunst und Gegenwartskunst. Und von 13 bis 18 Uhr kannst Du in der Innenstadt shoppen. Bitte vergiss dabei nicht, vor allem unsere tollen kleinen inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte zu unterstützen! Auf dem Wochenmarkt kannst Du Dich darüber hinaus mit frischem Obst, Gemüse und Blumen eindecken, falls Du das nicht bereits am Samstag getan hast. Viel Spaß dabei!

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