Queen Mum und König Ben I. – Wie bunt ist Lüneburg?

Manche Männer lieben Männer, manche Frauen eben Frauen
Da gibt’s nichts zu bedauern und nichts zu staun‘
Das ist genauso normal wie Kaugummi kauen
Doch die meisten werden sich das niemals trauen

Die Ärzte – M&F

Der König empfängt mich in seiner Etagenwohnung gleich neben der Feuerwache. Im „richtigen Leben“ arbeitet Ben Rejmann beim Ordnungsamt der Stadt Lüneburg. In einem Teil seiner Freizeit ist er ehrenamtlich bei der Feuerwehr Lüneburg tätig. Und in einem anderen Teil ist er seit dem 22. Januar dieses Jahres König Ben I., der 17. Schwule Lüneburger Heidekönig und repräsentiert die queere Community in und um Lüneburg.

Queen Mum trifft….

Obwohl wir uns noch nie getroffen haben, umarmen wir uns wie selbstverständlich zur Begrüßung. Eingefädelt hat unser Treffen „Queen Mum“, mit bürgerlichem Namen Dirk Ahrens. Im Frühjahr/Sommer 2021 wurde ich auf seine Interviewreihe „Queen Mum trifft…“ auf Facebook aufmerksam. Er hat sie alle getroffen: unsere Oberbürgermeister-Kandidatinnen und Kandidaten, den Chefredakteur der Landeszeitung, die Direktorin des Museums Lüneburg und sogar einen katholischen Dechant. Das hat mich neugierig gemacht: den möchte ich auch treffen! Und überhaupt, wie sieht es denn aus mit der queeren Szene in Lüneburg? Wie bunt ist unsere Stadt? Jetzt, kurz nach der Wahl des neuen Schwulen Heidekönigs, war der perfekte Zeitpunkt, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Wer in Lüneburg oder im Landkreis lebt, kommt an den verschiedenen Majestäten nicht vorbei. Die bekannteste unter ihnen ist wohl die Heidekönigin, die alljährlich beim Amelinghausener Heideblütenfest gekürt wird. Ich muss zugeben, dass ich dieses Großereignis in meinem Blogbeitrag von 2018 wohl nicht hinreichend gewürdigt habe. Doch der war auch schwerpunktmäßig der Radtour gewidmet und sollte zudem in erster Linie unterhaltsam sein. Heideköniginnen gibt es auch in anderen Orten im Umkreis. Darüber hinaus gibt es weitere Majestäten wie beispielsweise die Wurzelkönigin in Bardowick oder die Weinkönigin in Hitzacker (Weinanbau in Norddeutschland? Man lernt nie aus!). Das weibliche Geschlecht kommt so also schnell zu einem „Adelstitel“. Aber was ist mit den Herren der Schöpfung? In Amelinghausen wird neben der Heidekönigin auch der Heidebock gewählt, doch hat diese Wahl mehr einen Spaß- und Partycharakter und der Rolleninhaber weitaus weniger repräsentative Aufgaben als sein weibliches Pendant.

Lüneburg ging einen Schritt weiter: Im Jahr 2000 rief die Aidshilfe Lüneburg den Schwulen Heidekönig ins Leben. Das Ziel: aufmerksam machen auf das Thema HIV. Das Thema Aids rückte in den folgenden Jahren etwas mehr in den Hintergrund. Heute vertritt der Lüneburger Heidekönig die sogenannte queere Community: Darunter verstehen sich alle nicht-heterosexuellen Menschen wie beispielweise Homo- (lesbisch, schwul) oder Bisexuelle sowie Transgender und Intersexuelle (auch LSBTI). Einer Studie aus dem Jahr 2016 zufolge sind das etwa 7,4 Prozent der deutschen Bevölkerung. In und um Lüneburg wird das schätzungsweise nicht anders aussehen. Für mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft zu sorgen, das ist die Mission des Schwulen Heidekönigs. Doch auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen.

Legendäre Partys für Lüneburg und Umland

„Zu den legendären Partys Anfang der 2000er Jahre im VAMOS kamen die Leute aus Hamburg, Uelzen und dem Wendland“, erzählt Dirk Ahrens, Jahrgang 1967. Da seien bis zu 1000 Feierwütige zusammengekommen. „Da war ich noch jung“, ergänzt Ben, Jahrgang 1988, mit einem Augenzwinkern. Der Uni sei das dann irgendwann zu kommerziell geworden und man habe die Party vom Samstag auf den Freitag verlegt. „Das war der Todesstoß“, sagt Dirk nicht ganz ohne Bedauern. Die Hamburger kämen freitags nicht extra nach Lüneburg, so seine Theorie, und viele müssen eben samstags auch arbeiten. Zunächst wurde nur noch die halbe Halle gemietet, kurzfristig zog man in die Hasenburg um, bis die Veranstaltungen dann ganz einschliefen. „Dann habe ich gesagt, wenn ich zum Heidekönig gewählt werde, dann organisiere ich wieder Party!“ Bei dem Wahlversprechen war die Wahl von Dirk zum 13. Schwulen Lüneburger Heidekönig quasi ein Selbstläufer.

Seitdem hat Dirk sich auf beispiellose Art und Weise für die queere Szene in und um Lüneburg eingesetzt. 2019 erhielt er dafür im Rahmen eines Festakts in der Industrie- und Handelskammer sogar einen Preis: die Goldmarie, den „queeren Preis für Fleiß“, seit 2014 verliehen vom Queeren Netzwerk Niedersachsen (QNN). Seit dem ersten schwulen Heidekönig im Jahr 2000 gab es immer eine Menge zu organisieren. Dabei waren die Rahmenbedingungen nicht immer einfach. Die Aidshilfe Lüneburg wurde vorübergehend geschlossen, dann in den Checkpoint Queer integriert. Doch um den König wollte sich dort niemand kümmern. Da beschlossen Dirk und seine Kumpels vom Schwulen Stammtisch: Der König darf nicht sterben! Wir organisieren das selbst! Und wenn es „wir“ hieß, dann war „König Dirk“ immer vorne dabei. Alljährlich muss die Wahl organisiert werden – in „normalen“ Zeiten selbstverständlich mit einem angemessenen Königsball. Dazu kommen weitere Partys sowie öffentliche Auftritte auf Festen wie beispielsweise dem Heideblütenfest in Amelinghausen, dem Erntedankfest in Bardowick oder dem Kopefest in Lüneburg sowie den Christopher Street Days (CSD) in Hamburg und dem Umland. Wusstest Du, dass der vermutlich kleinste CSD im Wendland stattfindet? Er feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen.

Nach zwei Jahren „Herrschaft“ wollte Dirk eigentlich „in Rente gehen“, wie er schmunzelnd beteuert. Aber man habe ihn nicht gelassen. Bei der Thronübergabe an König Chris hieß es, jetzt musst du aber auch noch ein Amt haben, jetzt, wo du das Ganze organisierst. Seitdem trägt er den Titel „Queen Mum“, von den Königen liebevoll „Mutti“ genannt. Auch die Pressearbeit gehört dazu. Bei seiner anfänglich erwähnten Interviewreihe mit bekannten Lüneburger*innen machte er durchweg positive Erfahrungen.

„So etwas gibt es bei uns nicht“

Ich weiß nicht, wie es Dir geht – aber ich habe definitiv wieder Bock auf Partys und bin sehr gerne dabei, wenn im Sommer hoffentlich der Königsball nachgeholt wird. Ich muss jedoch gestehen, dass meine Einstellung zum Thema Homosexualität nicht immer so locker war wie heute. Aufgewachsen in einer katholischen Kleinstadt am Niederrhein in den 1970ern und 1980er Jahren (Dirk und ich sind derselbe Jahrgang 🙂 ), wurde ich auch zunächst gar nicht damit konfrontiert. „So etwas gab es bei uns nicht“ – was natürlich Quatsch ist. Man sprach nur nicht darüber. Erst sehr spät erfuhr ich, dass Michael, ein sehr guter Freund meines Bruders, schwul war – ein unglaublich lieber Mensch, der immer auffallend bunte Hemden trug und meinen Eltern Postkarten aus dem Urlaub schickte. Meine Mutter geriet regelmäßig ins Schwärmen. Selbstverständlich kam Michael auch zur Beerdigung meines Vaters – wo er meine Kindheitsfreundin Sabine traf. Ich hatte sie optisch immer als eher maskulinen Typ in Erinnerung und einen Freund hatte sie meines Wissens auch nie, aber ich hatte mir nie etwas dabei gedacht. Nach der Beerdigung fragte Michael: wer war denn der nette junge Mann? Sabine ist heute Bastian.

Komplett holte mich die Realität ein, als ich 2008 nach Hamburg zog und in einen Musical-Chor eintrat. So viele attraktive und gut gekleidete Männer in meinem Alter – und ich war gerade mal wieder frisch getrennt. Bis mich unsere Vorsitzende zur Seite nahm, auf einige der Herren zeigte und sagte: „Der, der, der… und der: vergiss es! Und übrigens: darf ich Dir meine Frau vorstellen? Und das ist unser Sohn.“ Darauf brauchte ich erstmal einen Prosecco. Ich war angekommen in der Großstadt. Nur kurze Zeit später besuchte ich mit dem frisch wiedervereinten Partner und heutigen Gatten meinen ersten CSD in Hamburg. Es waren von da an die besten Partys, auf denen ich jemals war: einfach nur Spaß haben und Feiern, kein Stress, kein Rumgezicke, Toleranz pur – jeder wird akzeptiert, wie er/sie/es ist. Ich bin heute unendlich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und auch mein Mann so herrlich entspannt damit umgeht – denn er wurde von meinen schwulen Chorkollegen teilweise ganz schön angegraben 😉

Zurück nach Lüneburg und der diesjährigen Königswahl. Seit vielen Jahren habe „Queen Mum“ versucht, ihn zu überreden, erzählt Ben Rejmann, aber er habe sich noch nicht bereit dafür gefühlt. Und dann war da auch noch Corona. 2020 war schon alles vorbereitet für die Wahl, 20 Jahre Heidekönig wäre ein weiterer Grund zum Feiern gewesen. Der Mittelaltersaal in der Krone war bereits gebucht. Nach einem weiteren Jahr Pandemie beschlossen die Veranstalter: in diesem Jahr machen wir die Wahl online. Neben Ben (33) kandidierte der 22-jährige Benjamin Pachl – der musste dann spontan auch noch in Quarantäne. Das machte das Ganze zwar komplizierter, aber nicht unmöglich. Wie qualifiziert man sich als König? Die Kandidaten werden interviewt und treten in verschiedenen Spielen und Wettkämpfen gegeneinander an. In der diesjährigen, pandemiebedingt etwas abgespeckten Version spielten die Kandidaten unter anderem „Herzblatt“ mit der Königskrone und mussten Fragen rund um das englische Königshaus beantworten, die natürlich kein geringerer als Queen Mum stellte, standesgemäß gekleidet in Kostüm und mit Hut. „Als König muss man sich ja schließlich auch mit anderen Königshäusern auskennen“, argumentiert Dirk trocken. Wer sich das äußerst unterhaltsame Spektakel, das aus Dirks Wohnzimmer übertragen wurde, noch einmal ansehen möchte, findet hier das Video – nicht technisch perfekt, aber sehr liebevoll gestaltet! Schon das Intro, in dem Dirk als Putzfrau verkleidet mit Kittel und Lockenwicklern auftritt – großartig! Ich finde es unglaublich sympathisch, wie die Beteiligten sich selbst auf die Schippe nehmen. „Tunten und Technik“ – der Spruch stammt nicht von mir!

Dass der Schwule Lüneburger Heidekönig mittlerweile eine Institution ist und das Engagement der Gruppe weitestgehend nicht nur akzeptiert, sondern auch gewürdigt wird, zeigen die zahlreichen Grußworte, die per Videobotschaft eingespielt wurden. Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch: „Gleichgeschlechtliche und queere Lebenspartnerschaften gehören selbstverständlich zu Lüneburg. Und dabei reicht es nicht, über Gleichberechtigung und Toleranz zu sprechen, das Entscheidende ist, sie zu leben. Diese Vielfalt ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Liebe kennt keine Grenzen und kein Geschlecht.“ Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember hatte Kalisch bereits das Rathaus rot anstrahlen lassen, um ein Zeichen der Solidarität mit HIV-positiven Menschen zu setzen. Auch der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Jakob Blankenburg und die amtierende Heidekönigin Leonie meldeten sich unterstützend zu Wort.

Mit 66 Prozent der Stimmen wählten die Zuschauer schließlich per Online-Voting Ben zum neuen Heidekönig. Der freut sich nun darauf, die queere Community zu repräsentieren und hofft, dass Partys und Feste wieder stattfinden können. An seiner Seite: der Adjutant, oder sollte man in diesem Fall Adjutante sagen? Ich bin sicher, man verzeiht mir den Gag: wie wäre es mit Adjutunte? Er/sie trägt den klangvollen Namen „Isabelle Ankauf von Gold“, im bürgerlichen Leben Eike Kuhse.

Video zur obigen Challenge

Natürlich kann ich mir die Frage nicht verkneifen, wie das mit dem Outing war. Ben erzählt: So mit etwa 13 sei ihm klar geworden, dass er sich für seine Geschlechtsgenossen interessiere. Mit 16 habe er es schließlich seiner Mutter gesagt, die es recht gelassen aufgenommen habe. Später habe sie ihm sogar den Kontakt zu schwulen Arbeitskollegen vermittelt, die ihm dann halfen, Gleichgesinnte kennenzulernen.

Outing erst mit 31

Bei Dirk dauerte es viel länger: Er war 31, als er es seiner Mutter sagte, sein Vater war damals schon verstorben. Ihre erste Reaktion: was sollen denn die Nachbarn denken?! Sie sei dann tatsächlich zum Hausarzt gegangen und habe gefragt, ob man dagegen etwas tun könne, so nach dem Motto „gibt’s da nicht was von Ratiopharm?“ (Zitat Dirk). Dann habe sie irgendwann seinen damaligen Freund kennengelernt und von da an sei es für sie in Ordnung gewesen.

Beide haben kein Problem mit meiner Frage, auch wenn Dirk anmerkt: „Eigentlich traurig, dass wir es überhaupt noch sagen müssen! Dass es nicht einfach normal ist. Warum muss ich darüber sprechen? Warum muss ich mich outen? Viele machen es auch nicht. Tauchen dann einfach mit Partner/Partnerin auf und dann ist das eben so.“ „Jeder braucht seine eigene Zeit“, ergänzt Ben,“ auch heute noch, auch wenn man sagt, alles ist viel offener. Ich würde nie jemanden drängen, sich zu outen.“

„Die Medien zeigen ja nur die bunten Vögel“

Warum haben immer noch so viele Menschen, vor allem in der älteren Generation, ein Problem mit Homosexualität? Dazu Dirk: „Die Medien zeigen ja auch nur die schrillen und bunten Vögel. CSD, schwuler Karneval, und das ist dann das Bild, was die Eltern haben: jetzt trägt mein Sohn plötzlich ’ne Handtasche, oh je. Aber es ist ja nicht so!“

Der Schwule Heidekönig ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Festkultur von Lüneburg und dem Umland, doch das war nicht von Anfang an so. Der erste Heidekönig Leo I. habe sich damals mehr oder weniger selbst zum Heideblütenfest eingeladen, doch sein freizügiges Leder-Outfit kam im eher konservativen Amelinghausen nicht ganz so gut an, erzählt Dirk. Das wiederum habe die schwule Szene als homophob gewertet und sich beleidigt zurückgezogen. Seitdem haben beide Seiten gelernt. Seit 2015 sind die Wogen geglättet, nicht zuletzt dank der Vermittlung von Queen Mum. Ben: „Wir müssen auch die Sitten und Gebräuche achten, wenn wir auf solche Feste gehen, das ist eben kein CSD. Da kann ich einfach nicht in Fetisch-Klamotten auftauchen, sondern muss auch deren Stil respektieren – Respekt auf beiden Seiten.“

Fotos: Der Schwule Heidekönig bei verschiedenen repräsentativen Anlässen.

Beide leben von Geburt an in Lüneburg. Sie berichten, dass sie in Lüneburg als Homosexuelle noch nie negative Erfahrungen gemacht hätten. Im Gegenteil: egal ob sie mit einer Gruppe im Beekays feiern, ihren Schwulen Stammtisch im griechischen Restaurant Apollo abhalten oder den Königsball in der Krone veranstalten – sie sind überall gerne gesehen. Ben: „Ich kann mich nicht erinnern, hier schon mal „angemacht“ worden zu sein.“ In Köln hingegen, ausgerechnet in der Schwulen Hochburg, dem „San Francisco von Deutschland“, sei ihm das ein paarmal passiert. Auch dass es in den ländlicheren Regionen noch etwas problematischer sei, können sich beide gut vorstellen.

„Im politischen Sinne haben wir als Schwulen und Lesben eigentlich alles erreicht“, sagt Dirk. Seit 2017 haben gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland das Recht auf Eheschließung. Auch viele evangelische Kirchengemeinden geben hierzu ihren Segen. „Eine königliche Hochzeit in Lüneburg, das wäre doch mal was“, schlägt Dirk vor – mit Blick auf König Ben und seinen Freund Till. Das Paar, das sich über ein Dating-Portal kennengelernt hat, ist jetzt seit eineinhalb Jahren zusammen. Aber noch studiert Till in Braunschweig, wo er auch als CDU-Politiker aktiv ist. „Eine Hochzeit im Braunschweiger Dom wäre aber auch ganz schön“, findet er.

Die bunten roten Rosen

Natürlich sind queere Menschen auch längst im deutschen Fernsehen allgegenwärtig. Die Lindenstraße war 1986 Vorreiter, damals haben die Leute noch den Kopf geschüttelt. Der 15. Schwule Lüneburger Heidekönig Thorsten Haß regte 2017 in einem Interview mit dem Lüneburger Stadtgespräch an, nun sei es auch bei den Roten Rosen Zeit für eine schwule Rolle. Die Rosen-Macher, dafür bekannt, gerne aktuelle gesellschaftliche Themen aufzunehmen, führten zunächst eine lesbische Liebesbeziehung ein: in Staffel 16 (2019) entdeckt Zahnarztgattin Margret Merz ihre Liebe zu Frauen (wieder) und geht mit Arzthelferin Agnes nach Nairobi. In Staffel 17 (2020) hat es dann der junge Rapper Anton Berger gar nicht so leicht, sich gegenüber seinem Macho-Onkel Ben zu outen. Aber am Ende wird natürlich – wie meistens bei den Rosen – alles gut.  

Jean-Luc Caputo als Anton Berger © ARD/Nicole Manthey

Der Nachmittag mit Dirk, Ben, Till und einem befreundeten Hetero-Pärchen aus Braunschweig, das zufällig zu Besuch war, ist wie im Fluge vergangen. Dabei habe ich eine Menge, zumindest über die schwule Szene in Lüneburg, gelernt. „Transmenschen sind noch mal ein ganz anderes Thema. Wir Schwulen und Lesben haben ja fast alles erreicht und die Transmenschen sind jetzt gerade mal am Anfang. Die müssen jetzt alles das durchmachen, was wir schon hinter uns haben, für Anerkennung werben und so weiter“, glaubt Ben. Dazu Dirk: „Ich denke, dass es die Transmenschen leichter haben werden, weil die Schwulen und Lesben quasi Vorreiter waren und die Zeiten auch andere sind.“ Auch nicht zuletzt wegen der neuen rot-grünen Bundesregierung, meinen beide. Was die Anerkennung in der Gesellschaft angeht, müsse man sehen. Dazu trägt auf jeden Fall, zumindest in Lüneburg, der Schwule Heidekönig bei, der ausdrücklich die gesamte queere Szene repräsentieren möchte, auch wenn er sich „Schwuler Heidekönig“ nennt. „Die Bezeichnung „queere Heideperson“ wurde auch schon gewünscht“, merkt Dirk grinsend an. Ich sehe schon, was das Thema Gendern angeht, sind wir auf der gleichen Wellenlänge.

Wer in Lüneburg Kontakt zur queeren Szene sucht, wird am ehesten in der Facebook-Gruppe Queer in Lüneburg fündig. Dort gibt es unter anderem Hinweise zum schwulen wie zum lesbischen Stammtisch. Ebenfalls lohnt sich ein Blick auf Website und Facebook-Auftritt des Checkpoint Queer, der sich derzeit in einer Neuorganisation befindet. Hierzu hat der Kollege Carlo Eggeling am 1. Februar einen recht kritischen Beitrag auf Facebook verfasst. Und selbstverständlich hat Queen Mum, die Mutter aller Heidekönige, immer ein offenes Ohr für Euch.

Nun bin ich gespannt, wie offen und tolerant meine Leserinnen und Leser sind, und freue mich auf Rückmeldungen! Und vielleicht sehen wir uns dann im Sommer beim Königsball? Oder beim CSD in Hamburg, der in diesem Jahr übrigens unter dem Motto „Vielfalt statt Gewalt“ steht. Könnte es gerade ein passenderes Motto geben?


In diesem Sinne: make love, not war!

(c)
© Oliver Klas_www.pixelio.de

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